Die Mutter

Von Eleonore Kalkowska (1883–1937)

Eine schweigt, seitdem sie die Nachricht empfing …
Zeit und Raum konnt’ die Stunde nicht halten,
Irgendwo, wie ein Blitz, im Leeren sie hing
Und hat der Tage bleiernen Ring
Gespalten;
Zerstört von den Flammen,
Kommt gestern und morgen nimmer zusammen.

Und sie schweigt. Denn sie kann von den Dingen nicht reden,
Wie früher. Und zeitlos die Zeit verrinnt.
Das Gestern ist ein Haus mit geschlossenen Läden,
Das Morgen – die Leere. Und doch, leise, spinnt
Sie das Graugarn des Grams. Und es sind neue Fäden
Zu ihrem Kind.


Textnachweis
Aus: Neues Frauenleben, XVIII. Jg., Juli 1916, Nr. 7, S. 168 (Die Orthografie wurde der neuen deutschen Rechtschreibung angepasst, die Interpunktion behutsam modernisiert. Offensichtliche Satz- und Druckfehler wurden stillschweigend ausgebessert.)

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