Zwei Gedichte

von Kory Towska (1868–1930)

Mädchenlied

Träume, die kein Magier deutet,
Huschen durch den wirren Sinn,
Glocken, die kein Meßner läutet,
Klingen ohne Ruhe drin,
Märchen, die ich nie vernommen,
Treiben ihren tollen Spuk.
Ach, wann wir der Zaubrer kommen,
Der da sagt: Genug!

Mutterlied

Ich trage still, ich trage fein
Ein Lichtlein, das noch nicht erglüht
Und doch von meinem Angesicht
In seligem Glanze wiederblüht.
Noch dunkel ist das Kämmerchen,
Nur heilige Frühe ohne Laut,
Nur manchmal tönt das Hämmerchen,
Das heimlich an dem Wunder baut.
Ich denk ein Maienblümelein
Und sinn ein altes, altes Lied
Und trage still und trage fein
Ein Lichtlein, das noch nicht erglüht.


Textnachweis
Aus: Neues Frauenleben, XXIV. Jg., November 1912, Nr. 11, S. 304 (Die Orthografie wurde der neuen deutschen Rechtschreibung angepasst, die Interpunktion behutsam modernisiert. Offensichtliche Satz- und Druckfehler wurden stillschweigend ausgebessert.)

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